Aug 03 2008

Tournament

Published by at 2:10 am under Stories,Writing

This is only a fragment. I don’t know if or when I am going to continue it. I guess this is mostly a by-product of having spent too much time playing Unreal Tournament…

Es ist dein achtes Turnierspiel und du weißt schon nicht mehr, wie oft du in einem neuen Körper wieder zu dir gekommen bist, nachdem ein anderer Spieler dich in Stücke geschossen hat.

Der Vorteil eines Ligaspielers wie dir ist, daß immer genügend geklonte Körper für dich in Reserve gehalten und dein Vertrag dir garantiert, fortlaufend wieder in Stand gesetzt zu werden. Jeder geklonte Körper ist eine perfekte Kopie deines ursprünglichen Körpers, jedoch ohne Erinnerungen, Persönlichkeit oder Bewußtsein. Eine leere Hülle ohne Leben, die auf ihre Animation und das Einspielen eines Bewußtseins wartet.

Nach Ablauf deines Vertrages steht dir auch wieder ein gesunder Körper mit uneingeschränkter natürlicher Lebenserwartung zu. Bis dahin bekommst du nur Körper mit einer in den Erbanlagen festgelegten maximalen Lebenserwartung bis zum Ende des Turniers. Das garantiert, daß du als Spieler nicht vorzeitig aus der Liga aussteigst, nachdem du einen Frag, also einen Lebenspunkt und mithin ein tatsäcliches Leben, zuviel verloren hast, die seelische Belastung und die ständige Gewalt nicht mehr aushältst und dich nicht mehr abschlachten lassen willst.

Nach einem verlorenen Frag wird dein Gedächtnis mit etwas Glück bis zu dem Zeitpunkt des Todes rekonstruiert. Sollte das mangels Masse nicht mehr gehen, weil dein altes Gehirn beispielsweise nur noch als Gelee an einer Wand in der Arena existiert, wird der Gedächtnisstand wieder eingespielt, der kurz vor Beginn des Spieles aufgezeichnet wurde. Den Rest mußt du dir dann, wie alle mordlustigen Zuschauer da draussen auch, die die Liveübertragung des Spiels verpaßt haben, per Aufzeichnung ansehen, um zu wissen, wer deine Revanche verdient hat.

Das Verfahren der Rekonstruktion dauert zwar mittlerweile nur noch wenige Minuten, weil immer ein komplett ausgebildeter Körper mit leerem Hirn auf dich und deine Erinnerungen wartet, aber es ist nicht gerade billig und für den normalsterblichen Menschen von der Straße unerschwinglich. Im Vergleich zu den Einnahmen durch Wetten, Werbung und sämtlicher Merchandiseartikel sind die Kosten für die Tournament Corporation jedoch eine vernachlässigbare Größe geworden. Das Turnier ist zum einträglichsten Industriezweig nach Nahrung und Rüstung geworden und die Corporation kann sich einige Dutzend kostspieliger Stars wie dich aus der Portokasse leisten.

Aber täglich mehrmals zu sterben ist auch eine sehr schmerzhafte und zuweilen traumatische Methode, sich den Lebensunterhalt zu verdienen. Dennoch symbolisierst du für die Masse den Traum von Unbesiegbarkeit und Unsterblichkeit und Millionen würden ihre Seele dafür verkaufen, an deiner Stelle zu sein. Und vielleicht hast du das auch getan, deine Seele verkauft, als dein Bewußtsein das erste Mal in einen geklonten Körper transferiert wurde. Der Lebensstil und die Bekanntheit eines Gottes aus dem Olymp haben eben ihren Preis. Du fühlst jedenfalls keinen Unterschied, auch wenn du nur eine Kopie deiner selbst bist, und wenn du das Turnier gewinnst, ist deine Trophäe die Unsterblichkeit in Form eines unlimitierten Anspruchs auf Ersatzkörper, wenn deine alte Hülle den Weg allen Seins gegangen ist.

Die Bilder deines kürzlichen Todes blitzen noch einmal durch deinen Kopf, bevor du die Augen öffnest und wutentbrannt von dem Animationstisch aufspringst. Du achtest nicht mehr auf das ganze medizinische Personal und die unteren Executives um dich herum, sondern greifst dir sofort eine frische Uniform und springst in sie hinein.

Du kennst die Szene in dem Animations-OP mittlerweile zur Genüge und befaßt dich nicht mehr mit den Themen Bewußtseinstransfer oder Klonen und wunderst dich auch nicht mehr darüber, daß du wieder in einem intakten Körper weiterlebst. Auch für die sterblichen Überreste deines alten Leibes, der auf einem zweiten Tisch direkt neben dir liegt, damit man ihm dort die letzten Gedächtnisfetzen entnehmen konnte, hast du nur noch selten einen Blick übrig.

Es wäre deutlich effizienter und für dich selbst auch weniger traumatisch, dir jedesmal nur die vor dem Spiel gespeicherten Erinnerungen zu implantieren. Der Grund, warum man sich aber die Mühe macht, deine Leiche zu bergen und soviele deiner Erinnerungen wie möglich zu rekonstruieren und sie dir in dein neues Leben mitzugeben ist, daß es dich zu einem immer besseren, rachgierigen bösen Gladiator werden läßt. Das macht die Spiele spannender und steigert damit die Umsätze.

Zum anderen dient es auch der Forschung, um die sogenannte Blackout Zeit der superreichen Kundschaft immer weiter zu reduzieren, so daß ihr Bewußtsein immer nahtloser vom Zeitpunkt des letzten Todes fortgesetzt werden kann, selbst wenn dieser bei einem extremen Unfall eingetreten ist und man nicht auf eine vielleicht wochenalte Bewußtseinssicherung zurückgreifen muß und dem Kunden somit wertvolle Zeit in seinen Erinnerungen fehlt.

Du setzt dir dein Intercom auf und wirfst einen Blick auf den modifizierten Chronometer an deinem linken Unterarm, das dich mit spielerelevanten Informationen versorgt. Du liegst zwei Frags hinter dem Favouriten zurück und das Match geht nur noch zweiundvierzig Minuten. Du greifst dir deine Waffe und rennst unter den Augen einiger Videokameras durch einen langen Tunnel hinaus auf das Spielfeld, eine alte Fabrikanlage aus dem späten zwanzigsten Jahrhundert, die ein geniales Schlachtfeld für Sniper, Scharfschützen, liefert.

Kaum erreichst du das Ende des Tunnels, fliegen dir schon die ersten Querschläger um die Ohren. Verfuckter Camper! zischt dir ein grimmiger Gedanke in neudeutscher Sprache durch den Kopf. Aber ein Sniper, der beim ersten Schuß nicht trifft, ist ein toter Sniper. Diese Lektion wirst du ihm jetzt beibringen.

Du rennst auf einen umgefallenen Metallträger zu und wirfst dich dahinter auf den Boden, spürst das Pumpen deines Herzens, wie dein Körper Adrenalin ausschüttet, deine erhöhte Atemfrequenz. Du zwingst dich zur Ruhe, konzentrierst dich auf deine Umgebung. Eine Lichtreflektion seines Zielfernrohrs verrät die Position des anderen Schützen und du visierst ihn mit deiner eigenen Waffe an. Dein Finger gleitet zum Abzug und betätigt ihn. Sofort darauf siehst du wie der Kopf des Anderen unter deinem Fadenkreuz explodiert und der Körper leblos mehrere Meter zu Boden fällt.

Dein Zielfernrohr sendet ebenfalls Bilder an die Sendezentrale und du weißt, daß die Zuschauer des Matches jetzt eine Großaufnahme deines Treffers zu sehen bekommen und eine mit Hall versehene Stimme dabei laut KOPFSCHUSS ruft. Du auf dem Schlachtfeld bekommst das nicht mit, aber du kennst es von den Aufzeichnungen, die du dir angesehen hast. Du tust deine Pflicht als guter Turnierspieler und sagst einen Spruch für deine Fans in dein Intercom: „Das nächste Mal solltest du besser zielen!“

Du hast jetzt zwar einen Frag aufgeholt, aber dein Konkurrent hat zwischenzeitlich ebenfalls wieder gepunktet, wie die Anzeige dir verrät. Noch achtunddreißig Minuten Zeit, drei Punkte zu machen, um sich an ihm vorbei in die Führung zu spielen.

Vorsichtig beobachtest du die Gegend erneut. Erst ohne, dann mit deinem Zielfernrohr, um andere Scharfschützen auf der Lauer ausfindig zu machen. Und in der Hoffnung, ein weiteres leichtes Opfer zu finden.

Fehlanzeige. Du springst wieder auf die Beine und rennst über das offene Feld auf den Schutz des verfallenen Gebäudes auf der anderen Seite zu, in der sich dein letztes Ziel verschanzt hatte, gehst in das Innere und kletterst einige Leitern hoch, um auf eine bessere Aussichtsposition zu gelangen, legst dich dort flach auf den Boden, das Gewehr im Anschlag, beobachtest wieder das Gelände, wirst dabei selbst von mehreren hochauflösenden Digitalkameras mit integrierten Richtmikrofonen in deiner Nähe beobachtet.

Du siehst, wie zwei Sanitätsroboter aus dem Tunnel kommen, um die Überreste des anderen Spielers einzusammeln. Ein Schuß fällt und einer der Roboter gerät leicht ins Taumeln. Jemand war dumm genug, die Droiden für andere Spieler zu halten und hat dadurch seine Position verraten.

Wieder wandert dein Fadenkreuz über eine Gebäudefront, wieder findet es ein Ziel. Du siehst das Gesicht einer schönen, amazonenhaften Frau mit eiskaltem Blick in deinem Sucher. Du kennst sie gut, hast zwischen den Spielen häufiger Sex mit ihr. Es macht euch an, miteinander zu schlafen nachdem ihr euch Stunden vorher mit Kugeln durchsiebt habt.

„Halt einfach nur still, Baby, und ich besorg es dir schnell und gut“ flüsterst du in dein Intercom und drückst ab. Du siehst die Explosion in deinem Zielfernrohr und die Punktestandsanzeige bestätigt umgehend deinen Treffer und du grinst zufrieden.

Ein Sniper, der am leben bleiben will, verläßt seinen Unterschlupf sofort nachdem er geschossen hat, also machst du dich auch so unauffällig wie möglich wieder auf und davon.

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